Tessin im Herbst

 

 


 

Auch anfangs Oktober hat die ‚Sonnenstube der Schweiz’ ihren Reiz. Zu dieser Zeit erwarten den Gast üblicherweise noch angenehme Temperaturen sowie in allen Höhenlagen beste Fernsicht. Da ich seit vielen Jahren im Tessin als Reiseleiter sozusagen ‚zuhause’ bin, habe ich zu meinen schon traditionellen Frühlingsreisen in den südlichsten Schweizer Kanton einmal eine Herbstreise übernommen. Folgen Sie mir also am 5. Oktober 2oo6 für vier Tage in dieses wunderschöne Fleckchen Erde.

Von Salzburg geht es über Innsbruck und Feldkirch in das Fürstentum Liechtenstein und dann den Rhein aufwärts. Im Gebirge, durch dessen Kalkgestein sich das Wasser in Jahrtausenden seinen Weg gebahnt hat, haben wir dann das erste so richtige Erlebnis, was nämlich die Natur anbelangt. In der Via-Mala-Schlucht machen wir Pause, um einerseits tief in die Schlucht hinunterzublicken, auf deren Grund der Hinterrhein fließt, um aber andererseits die steilen Felswände hochzuschauen. Natürlich kommen wir auf die geschichtliche Entwicklung dieses Verkehrsweges zu sprechen.

 

 
 

Aber dann geht es weiter, wartet doch schon nach wenigen Kilometern ein nicht nur für Kunsthistoriker sondern auch für jeden an der Kunstgeschichte Interessierten ein einmaliges Erlebnis, nämlich die reformierte Kirche St. Martin in Zillis mit der romanischen Kassettendecke. Das Besondere an dieser äußerlich ziemlich schlichten Kirche mit dem Christophorus-Fresko an der Westwand ist nämlich die Kassettendecke, die ich Ihnen – im wahrsten Sinne des Wortes – nahe bringe. Mit bereitliegenden Spiegeln können Sie jedes der 153 in Temperamalerei gehaltenen Felder mit Motiven aus der biblischen Geschichte im Innenteil und der romanischen Tiersymbolik am Rand genau betrachten. Sie stehen unter der ältesten erhaltenen Malerei dieser Art im gesamten Abendland!

 

 
 

Auf mehr als 16oo Meter über dem Meeresspiegel geht es bei der Weiterfahrt in den Süden hinauf, bis die Fahrbahn dann im San-Bernardino-Tunnel, der derzeit aufgrund seines nunmehr doch beträchtlichen Alters von 4o Jahren einer gründlichen Renovierung unterzogen wird, verschwindet. Aber das soll uns nicht stören, die paar Minuten im Tunnel mit seinen Baustellen gehen auch vorüber. Dafür dann nach Verlassen des Tunnels – es geht vorerst noch im Kanton Graubünden weiter – eine überwältigend schöne Landschaft. Steil führt die Straße – teils in gewaltigen Kehren – hinab. Zügig geht es nunmehr auf der Nationalstraße weiter, das Tagesziel Lugano im Kanton Tessin mit unserem Standorthotel ist nicht mehr ferne.

 

 

Der zweite Reisetag bringt dann ein besonderes Erlebnis. Wir fahren in eines der schönsten Täler des Kantons Tessin, in das Verzasca-Tal. Am Weg Richtung Lago Maggiore biegen wir bei Tenero ab und fahren die Verzasca entlang, vorerst steil bergauf. Schon bald kommt die gewaltige Mauer eines Stausees in Sicht, Grund genug für einen kurzen Halt. Weiter geht es das dünn besiedelte Tal aufwärts, doch bald schon müssen wir unbedingt einen längeren Aufenthalt einlegen.

 


 

Die ganze Strecke schon fällt uns das smaragdgrün gischtende Bergwasser auf, in Lavertezzo können wir die seinerzeit vom Eis und dann vom Wasser rundgeschliffenen Gneisfelsen ganz aus der Nähe bewundern. Den Fluß quert, in der Mitte auf einem Felsen ruhend, eine zweibogige mittelalterliche Steinbrücke, der ‚Ponte dei Salti’. Für die Photographen ein ‚Pflichttermin’.

 

 

Stundenlang könnten wir dort verweilen, doch das Tal ist noch lang und wir wollen ja bis zum Talschluß bei Sonogno fahren. Der Spaziergang durch das in über 9oo m Höhe gelegene Dorf mit seinen äußerst interessant in Stein und Holz gebauten Häusern ist eine Wohltat für Auge und Lunge, an den Gaumen denken wir dort aber auch.

 

   

 

Am Nachmittag nehmen wir Abschied von dieser traumhaft schönen Gegend, wir wollen ja noch durch die am Lago Maggiore liegende Stadt Locarno bummeln, mit etwa 2oo Meter Meereshöhe die am tiefsten gelegene Stadt der Schweiz und durch ihr mildes Klima geradezu zum Erholungsort berufen. Ein Spaziergang am Seeufer oder eine Fahrt mit der Standseilbahn zu dem über der Stadt thronenden Wahrzeichen, der Wallfahrtskirche Madonna del Sasso, ist angesagt.

 

 

Auch der dritte Reisetag wird gemütlich angegangen. Ein Spaziergang durch die Altstadt von Lugano steht auf dem Programm. Da sich unser Hotel nur einige Meter von der Talstation der Standseilbahn auf den Monte San Salvatore befindet, liegt eine Auffahrt auf diesen Hausberg Luganos nahe. Genießen Sie von seiner Aussichtsplattform einen phantastischen Panoramablick. Oder unternehmen Sie eine Schiffahrt auf dem Luganer See, vielleicht nach Melide, um Swissminiatur, eine Modellanlage mit den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Schweiz in 25-facher Verkleinerung, zu besuchen. Dieses Ausflugsziel würde sich geradezu anbieten, da es am Weg nach Como liegt, welche Stadt wir noch besuchen wollen.

 

 

 

In Como haben wir genügend Zeit, um im Dom die Fresken und Gobelins zu bewundern sowie die romanische Kirche San Fedele eingehend zu besichtigen. Dann aber wollen wir das Leben und Treiben am Comer See hautnah erleben und gemütlich zum Seeufer mit seinen Kaffeehäusern bummeln. Auf der Heimreise zum Hotel überqueren wir wieder den Luganer See und unternehmen nach dem Abendessen sicherlich wieder einen wohltuenden Spaziergang am Seeufer.

 

 
 

Aber einmal heißt es Abschied nehmen von dieser bezaubernden Gegend. Wir fahren am Morgen des Rückreisetages noch lange den Luganer See entlang und genießen den Blick auf und über den See, so auch zu dem an der Grenze zu Italien errichteten schweizerischen Zollhaus, das nunmehr das Zollmuseum beherbergt. Weiter zum Westufer des Comer Sees und dann aufwärts Richtung Malojapaß, wo wir sicherlich einen kurzen Aufenthalt einlegen. Länger verweilen wir dann in St. Moritz, um entweder durch den Olympiaort zu bummeln oder die gute Luft am See, der vom ‚jungen’ Inn durchflossen wird, zu genießen. Sehr lange fahren wir dann den Inn entlang abwärts, um in Wörgl das Inntal zu verlassen. Über Lofer geht die Heimfahrt weiter nach Salzburg – vier schöne Tage in wunderschöner Gegend mit unvergeßlichen Eindrücken gehen dort zu Ende.